Pressekonferenz vom 25. Januar 2021

Die Erde ist unser Grund
Das WorldEthicForum 2021 in Pontresina

Am 26. Januar wäre in Davos das World Economic Forum 2021 eröffnet worden. Aus bekannten Gründen findet es dieses Jahr nicht in der Schweiz statt.

Umso mehr freuen wir uns – wenn es die COVID – Situation denn zulässt – dass wir das eigentliche Ziel des WEFs – gemeinsam die Welt verbessern – auch dieses Jahr in Graubünden zur Diskussion stellen. Mit dem WorldEthicForum hören wir vom 1. bis 3. Oktober Vorträge teils weltbekannter Speaker und führen Workshops für 500 Teilnehmende durch. Wir diskutieren die Konsequenzen einer Erklärung für das Recht der Erde ideologiefrei und lernen konkrete Lösungen für unseren Planeten kennen, die wir am WorldEthicForum weiterentwickeln und in einer Charta präsentieren.

Wir wollen nicht weniger als das Recht der Erde – die Erkenntnis, dass wir Teil der Natur sind. Und wir wollen, dass darüber geredet wird – mit Lösungen, die bereits heute umgesetzt werden und im grossen Stil inspirieren. Denn es ist, als ob die alte Zeit nicht mehr die Kraft hat, uns Sinn zu geben und unser Überleben zu gewähren. Gleichzeitig ist die neue Zeit noch nicht stark genug, das Alte zu verwandeln. Ideen sind viele da, wegweisende Beispiele auch. Wir wollen mit dem WorldEthicForum der neuen Zeit einen Aufschwung geben.

Höhepunkte

„Das Lebendige strebt zum Lebendigen hin.“ Andreas Weber hat für das philosophische Symposium und für eine neue Betrachtungsweise des Lebens ein wunderbares Team eingeladen.

Vandana Shiva und Auma Obama, die beiden Schirmfrauen des Forums, berichten über das Recht der Erde aus der Perspektive des Globalen Südens.

Weitere bedeutende Akteur*innen aus aller Welt, wie Helmy Abouleish, der Präsident von Demeter International, werden mit dem World Future Council anwesend sein. Es ist uns eine Ehre, den World Future Council als unseren Gast zu begrüssen. Seine jährliche Ratssitzung tagt nach dem WorldEthicForum im Kronenhof in Pontresina.

Peter Messerli, der Mitverfasser des ersten globalen Nachhaltigkeitsberichts der UNO, erzählt von der Vision zum transformativen Handeln der Agenda 2030.

Der Mitbegründer des Presencing Instituts, Otto Scharmer, wird online mit einem Vortrag über die Wandlungsfähigkeit des Menschen dabei sein.

Aus der Schweiz wird Martin Ott, der Kuhflüsterer und Präsident vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, mit vielversprechenden Praktiker*innen mögliche Lösungswege für ein enkeltaugliches Ernährungssystem ausarbeiten.

Christian Felber stellt die Gemeinwohlökonomie vor. Ein ethisches Wirtschaftsmodell, welches das Wohl von Menschen und Umwelt zum obersten Ziel hat. Hier hören wir auch Stimmen von Purpose Economy, Suffizienz und Wirtschaft ist Care.

Bei all diesen Lösungsansätzen geht es schlussendlich darum, der jungen Generation eine lebenswerte Welt zu hinterlassen, in der die Menschen wieder Teil der Natur sind und in Harmonie miteinander leben. Deshalb wollen wir auch die Stimmen der jungen Generation hören. Die Teilnehmenden werden zur Eröffnung am Freitag um 16:00 Uhr von Kindern mit ihren Eseln begrüsst. Die Kinder waren von Davos nach Pontresina mit Eseln unterwegs und werden ihre Forderungen und Gedanken mitbringen. Junge Aktivist*innen und Change Makers kommen zu Wort.

Zu einem erfolgreichen Projekt gehört das Feiern dazu. Feiern verbindet. Feiern bedeutet aber auch zu reflektieren. Wir hören die Uraufführung von Gérard Zinstag und organisieren eine Schnipseldisco mit Gemüse, welches die Teilnehmenden von zu Hause mitbringen. In den Workshops werden gruppendynamische Prozesse angeleitet. Wir wollen, dass sich die Teilnehmenden kennen lernen, einander inspirieren und nach dem WorldEthicForum gemeinsam Initiativen ergreifen.

Der Verein WorldEthicForum

Wir haben uns entschlossen, den Rest unseres Lebens dafür einzusetzen, Teil der Lösung zu werden. Dafür gründeten wir den Verein WordEthicForum im Engadin. Dieser soll ein Kondensationspunkt für eine neue Zeit werden. Eine Plattform für gelingende Projekte. Ein Ort für die Stimme des globalen Südens und ein weiser Rat derer, die bereit sind, ihre Kraft und ihre Mittel in ein neues Zeitalter zu transformieren.

Breite Unterstützung

Hinter dem WorldEthicForum steht ein wachsendes Team, ein Patronatskomittee sowie eine Echogruppe. Dahinter stehen Menschen – jüngere und ältere Generation – Nationalrät*innen, Präsident*innen von verschiedenen Organisationen, Filmproduzent*innen, Künstler*innen und Philosoph*innen.

Wir sind stolz darauf erfahrene Partner, wie das World Future Council oder das Paul Schatz Institut an Bord zu haben.

Das World Future Council wurde von Jakob von Uexküll, dem Gründer des Alternativen Nobelpreises, 2007 ins Leben gerufen und will unseren Kindern und Enkel*innen einen gesunden, nachhaltigen Planeten mit gerechten und friedlichen Gesellschaften übergeben. Seine jährliche Ratssitzung findet anschliessend zum WorldEthicForum statt. Verschiedene internationalen Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Kultur werden am WorldEthicForum teilnehmen und ihre Erfahrungen in Workshops einbringen.

Die Paul Schatz Stiftung ehrt das Wirken des Pioniers Paul Schatz und seine herausragende Bedeutung für Gesellschaft und Umwelt. Paul Schatz bekräftigte in seinem Lebenswerk, dass der Mensch die technischen Entwicklungen vor dem Hintergrund eines neu zu erlangenden Bewusstseins betrachten und steuern muss. Sowohl für die Wissenschaft, als auch für die Kunst sei ein neues Verständnis zu entwickeln, da ansonsten die Freiheit und Gesundheit des Menschen, sowie die Regenerierbarkeit unserer natürlichen Lebensgrundlagen unumkehrbar gefährdet ist. (Quelle: Paul Schatz InstitutEr hat einen starren Würfel umgestülpt und so beweglich gemacht. Aus dieser Bewegung heraus entdeckte er das Oloid. Die Form wird heute in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Einen Teil seines Lebenswerkes stellen wir im WorldEthicForum aus und gehen der Frage nach, wie wir unser Bewusstsein umstülpen können, um echte Partner*innen der Erde zu werden.

Medienkontakt

info@worldethicforum.com

Keynote Mark Zumbühl, Präsident WorldEthicForum an der Online-Pressekonferenz

Von 2016 bis 2019 lebte ich drei Jahre in Pontresina, am Eingang und am Ausgangspunkt in die Berg- und Gletscherwelt des Berninamassivs.

Ich war in dieser Zeit viel unterwegs in den Seitentälern – Roseg, Morteratsch, Pers – mit ihren Gletschern, oder – ich muss es leider sagen – was von ihnen übriggeblieben ist. In den Ausgängen dieser Täler wurden damals unter der wissenschaftlichen Begleitung von Glaziologen der ETH viele sogenannte Eis-Stupas erbaut. Eis-Stupas kennt man aus Ladakh in Indien. Es sind grosse, begehbare Eis-Skulpturen, in denen das Schmelzwasser der Gletscher den Winter über gesammelt und gefroren wird. In den hohen und weiten Ebenen Ladakhs dienen sie dazu, das Wasser im Herbst als Eis zu konservieren, damit die kargen Felder und Äcker im Frühling mit Wasser versorgt werden können. Ein Stupa ist ein ursprünglich buddhistisches Bauwerk.

Damals erzählte mir ein Glaziologe, dass unter der Brücke der RhB bei Morteratsch im Verlauf eines Jahres fast so viel Wasser durchfliesst, wie die ganze Schweiz als Trinkwasser verbraucht. Schmelzwasser des Morteratsch- und des Pers-Gletschers. Unwiederbringlich weggeschmolzen und abgeflossen in die Ova da Bernina, in den Inn dann und danach in die Donau. Diese gewaltigen Wassermengen fehlen zuerst hier oben in der Bergwelt der Bernina in Form von Eis, später, weiter unten in den Läufen der Flüsse, in Innsbruck, Kufstein, Rosenheim, Passau, Linz und später in Wien in Form von Trinkwasser. Wenn das Eis der Gletscher weggeschmolzen ist, fehlt das Wasser. Für immer.

Als mich Linard Bardill damals angefragt hat, ob ich mich im WorldEthicForum engagieren möchte, kamen mir diese Erinnerungen an die Pontresiner Bergwelt wieder in den Sinn. Die Erde und ihre Einzelteile sind nicht «einfach nur da». Sie haben ein Existenzrecht, sie haben das Anrecht, als Rechtspersönlichkeiten die Erde zu beleben und auszumachen. Ein Gletscher ist nicht einfach eine naturgegebene Anhäufung von Eis, ein Gletscher ist ein Wesen, und ein Fluss auch, und ein Berg, und ein Baum, ein Wald, und, und, und… Wir haben uns das Recht genommen, einen Fluss zu nutzen und wir haben vergessen, dass der Fluss ebenso ein Recht hat, geschützt zu werden, vor uns, vor Verschmutzung zum Beispiel, oder vor Ausbeutung. Recht nehmen, aber auch Recht geben, im Gleichklang. Das ist eines der Ziele des WorldEthicForums. Der Erde und ihrer fantastischen Einzigartigkeit ein Recht, eine Rechtspersönlichkeit zu verleihen.

Dafür setze ich mich gerne ein. Mark Zumbühl, Chur