Für eine Kultur radikal geteilter Lebendigkeit

Vier Grundsatzthesen und erste Forderungen des WorldEthicForums

  1. Die Welt ist lebendig. Die Welt ist ein hochdiverses, schöpferisches Geschehen, welches lebendige Individuen aus sich hervorbringt. Alle Lebewesen sind Subjekte, sie besitzen eine Innerlichkeit, in der sie ihre Existenz als persönliche Realität empfinden. In diesem Punkt unterscheiden sich andere Wesen nicht von Menschen.
  2. Der Kampf dafür, allen anderen Wesen ihr Recht als Subjekte wieder zu geben, ist eine Fortsetzung und Verbreiterung des Kampfes für die Gleichberechtigung geschlechtlich oder ethnisch ausgegrenzter menschlicher Gruppen. Den anderen Wesen ihre Existenz als Subjekte abzuerkennen, ist die Folge einer Kolonialisierung auf der Ebene unserer gemeinschaftlichen Lebensverfasstheit. Nur in einer Welt, in der alle lebenden Subjekte das gleiche Recht auf lebendige Entfaltung haben, lassen sich auch die menschlichen Ungleichheiten auflösen.
  3. Die derzeitige ökologische Krise verstehen wir als eine Folge davon, dass die Subjekthaftigkeit aller Mitlebewesen geleugnet wird. Wir können daher sagen, dass die gegenwärtige Krise die Folge einer Ideologie des Toten ist. Wir wollen diese Ideologie durch ein Bild der umfassenden Lebenswirklichkeit einer gemeinsam geteilten Lebendigkeit ersetzen.
  4. Die Erfahrung, Teil eines gemeinsamen, geteilten Prozesses der Lebendigkeit zu sein, vermag unsere Handlungen zu verändern. Der Mensch steigert sein Eigensein, wenn er die Innerlichkeit aller anderen Subjekte anerkennt und fördert. Dies anzuerkennen, heißt allen Subjekten einen Platz in der Gesellschaft einzuräumen und sie zu einer Gesellschaft aller Wesen zu erweitern. Im Rechtsleben, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, der Bildung, der Ethik und der Religion.

Aus dieser These ergeben sich Forderungen nach einem radikalen Wandel des Verhältnisses zwischen Menschen und anderen lebenden Subjekten. Sie beinhalten, dass

  • Konsum und Produktion von Nahrung als gemeinsame Arbeit aller Arten an einer produktiven Biosphäre verstanden wird, welche die Vielfalt nicht verringert, sondern erhöht, Landschaften schöner macht und Lust bereitet.
  • die wirtschaftliche Produktion als Teil der Produktivität der Biosphäre gestaltet wird und nicht gegen deren Prozesse und Fähigkeiten gerichtet sein darf.
  • Bildung eine vertiefte Entfaltung der eigenen Lebendigkeit im Miteinander mit allen Wesen zum Ziel hat und dabei hilft, Beziehungsfähigkeit zu erlernen und zu üben.
  • die Ökonomie die Steigerung des Bruttoszozialproduktes aufgibt und stattdessen die Gemeingüter geteilten Lebens, Schöpfens und Wissens steigert und vertieft.
  • ein Rechtssystem geschaffen wird, das nichtmenschliche Wesen als Subjekte behandelt mit dem Ziel, dass politische Entscheidungen so fallen, dass die jeweils größte Lebendigkeit des Ganzen gewahrt ist.
  • kulturelles und wissenschaftliches Forschen die konkrete Ausgestaltung der Erfahrung, lebendig zu sein, mit den schöpferischen Mitteln des Menschen sein darf.

Alle, welche in solchen oder ähnlichen Grundsätzen etwas Berechtigtes sehen und sich an der Erarbeitung von konkreten Transformationen auf den real existierenden Ebenen des gesellschaftlichen Lebens beteiligen wollen, sind eingeladen Teil des WorldEthicForums zu sein.

Die These ist am ersten strategischen Wochenende vom WorldEthicForum unter der Co-Creation von Andreas Weber und Martin Ott entstanden.